Aktuelle Gedanken und Zitate zum Thema Führung

Führen mit Spannungspaaren

In der Septemberausgabe der Zeitschrift brandeins gab es ein interessantes Interview mit Albert Schmitt, dem Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zu dem bekannten Vergleich von Chef und Dirigent.

Darin sagt Schmitt unter anderem: „Die Frage, die sich stellt, ist: Wie motiviere ich meine Mitarbeiter, individuelle Höchstleistung zu bringen, diese aber in den Dienst des Unternehmens, der gemeinsamen Sache zu stellen? Dabei entstehen Spannungen. Ich habe lange versucht, den Spannungen auszuweichen, bis ich endlich verstanden habe, dass ich sie nutzen kann. In unserem Orchester sind fünf Spannungspaare vorherrschend: Notwendigkeit und Sinn, Hierarchie und Demokratie, Perfektion und Abenteuer, Energie und Konzentration, Erfolg und Spaß. Es geht immer um ein Sowohl-als-auch, nie um ein Entweder-oder.“

Ich finde diese Sichtweise insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass sie sich sehr gut mit meinem Lagom-Konzept deckt, dem Vermeiden der Extreme. Auch hier geht es immer um ein Sowohl-als-auch, ein Ausbalancieren von verschiedenen Polen. Interessant fand ich auch die Auswahl der Spannungspaare, die der Orchesterchef hier benennt, sie haben mir wieder einmal gezeigt, dass die Auswahl solcher Spannungspaare nicht unbedingt immer auf Gegensätzen beruhen muss, sondern auch Pole wie Erfolg und Spaß, die sich ja nicht grundsätzlich gegenüberstehen, eine hilfreiche Kombination bieten können.

Es lohnt sich aus meiner Sicht immer, sich der eigenen Spannungsfelder in der Führung bewusst zu sein und diese individuell auszubalancieren.

Es gibt sie immer noch…

Eigentlich sollte man meinen, die Methoden der Führung hätten sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Mein Eindruck ist, dass das auch in weiten Teilen bereits stimmt. Und trotzdem: Immer wieder stoße ich auf einzelne Führungskräfte, aber auch ganze Unternehmen oder Bereiche, die in ihrem Führungsstil Fehler der Vergangenheit scheinbar unbeeindruckt wiederholen. Deshalb und weil ich gerade wieder einmal beim Recherchieren über meine kleine Sammlung einiger „typischer“ Management by-Techniken gestolpert bin, die aus meiner Sicht schönsten Stilblüten dieser Führungsmethoden:

Management by 11 A: Am Anfang alles auf andere abschieben, anschließend alle anmachen, aber anständig.

Management by Champignon: Mitarbeiter im Dunkeln lassen, mit Mist eindecken und wenn einer den Kopf raus streckt, sofort abschneiden.

Management by Crocodile: Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, trotzdem das Maul aufreißen.

Management by Gear-wheels: Wenn der Oberste nur eine kleine Drehung macht, kommen die Untersten gleich ins Rotieren.

Management by Helicopter: Über allem schweben, sich hin und wieder herablassen, dabei viel Staub aufwirbeln und wieder abheben.

Management by Jeans: An den wichtigsten Stellen sitzen die größten Nieten.

Management by Kangaroo: Große Sprünge mit leerem Beutel.

Management by Ping-Pong: Jeden Vorgang so lange hin- und herschieben, bis er sich von selbst erledigt hat.

Management by Potato: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln.

Management by Schaukelpferd: Ständig in Bewegung und doch nicht voran kommen.

Wollen wir hoffen, dass diese Fälle Einzelfälle bleiben. Sollten Sie allerdings Ihren Chef oder sogar sich selbst in einer der Beschreibungen wieder erkennen, wäre es wohl Zeit, einmal den Führungsstil zu überdenken bzw. Ihrem Vorgesetzten ein offenes, konstruktives Feedback zu geben.

Viel Erfolg dabei!