Das Lagom Führungsmodell

„Schweden hat in Relation vermutlich mehr gute Manager als jedes andere Land.“

(Jack Welch, ehemaliger CEO von General Electric)

Das Lagom® Führungsmodell

Erfahrungen aus Schweden

„Var inte så tysk nu igen!“ – „Sei doch nicht wieder so deutsch!“  Dieser freundlich gemeinte Kommentar eines meiner schwedischen Mitarbeiter fiel im Rahmen einer Besprechung bei meinem damaligen Arbeitgeber in Helsingborg in Schweden. Der kleine Satz machte mir endgültig klar, dass es offensichtlich doch deutliche Unterschiede im Führungsverhalten deutscher und schwedischer Prägung gab. Schließlich hatte ich doch nur versucht, das Meeting etwas zu beschleunigen und eine aus meiner Sicht endlose Diskussion über einen Punkt abzukürzen. Und das – so dachte ich mir – dient doch nur der Sache und ist schließlich auch mein gutes Recht als Chef.

Als ich 1993 für einige Jahre als Expatriate nach Schweden ging um dort für meinen Arbeitgeber, den Konsumgüterkonzern Unilever im Marketing zu arbeiten, hatte ich geglaubt, Schweden sei in Bezug auf den Führungsstil Deutschland sehr ähnlich. Zumal ich ja auch in Deutschland schon fünf Jahre im gleichen Konzern gearbeitet hatte und daher den konzerntypischen Stil zu kennen glaubte.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Schon nach kurzer Zeit stellte sich jedoch heraus, dass es bei allen tatsächlich vorhandenen Gemeinsamkeiten auch gravierende Unterschiede im Führungsverhalten gab. Unterschiede, die sehr oft zum Vorteil der Schweden ausfielen, wie ich bald erkannte. Seither habe ich selbst immer versucht – auch und gerade nach meiner Rückkehr nach Deutschland – etwas „schwedischer“ zu führen. Als ich mich 1998 mit dem Thema Führungskräfteentwicklung selbstständig gemacht habe, bin ich mit dem Lagom-Konzept noch einen Schritt weiter gegangen. Ich möchte allen deutschen Führungskräften auch ohne längeren Aufenthalt in Schweden ermöglichen, von den schwedischen Führungsmethoden zu profitieren. Schließlich ist Schweden nicht ohne Grund ein Land, das im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl erstaunlich viele auf dem Weltmarkt erfolgreiche Unternehmen aufweisen kann.

Schwedische Führungsmodelle

Schwedische Führungsmodelle waren schon einmal in den 70er Jahren im Ausland sehr populär – das Thema Gruppenarbeit machte zum Beispiel innerhalb kürzester Zeit in ganz Europa und darüber hinaus die Runde und wird auch heute noch von vielen Unternehmen erfolgreich praktiziert. Damit unterscheidet sich diese in Schweden entwickelte Methode übrigens auf erfreuliche Weise von vielen anderen „Sternstunden“ der Managementlehre, die ebenso schnell in der Versenkung verschwunden sind, wie sie aufgetaucht sind.

Der Begriff Lagom

Lagom ist ein recht gebräuchliches schwedisches Wort, das im Deutschen keine genaue Entsprechung kennt. Es bedeutet so viel wie „gerade richtig“, „genau auf den Punkt“ und „nicht zu viel und nicht zu wenig“. Es ist somit ein Wort der ausgeglichenen Mitte, das auch mit „perfekt balanciert“ übersetzt werden kann.

Die Ausgeglichenheit fehlt

Genau diese Ausgeglichenheit ist es, die meiner Erfahrung nach in der Führung oft fehlt. Erkannte Probleme werden mit ganzer, oft auch mit zu viel Kraft und mit vollem Fokus angegangen und dabei wird leider oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Denn die übrigen Themen sind ja in der Zwischenzeit nicht einfach verschwunden sondern bedürfen weiterhin der Beachtung und Bearbeitung. Schon Konfuzius wusste: „Über das Ziel hinausschießen ist ebenso schlimm wie es nicht zu erreichen.“ So führt diese Vorgehensweise oft dazu, dass ein Change-Programm das nächste jagt. Das läuft dann in vielen Unternehmen ungefähr folgendermaßen ab:

Volatile Führung

Heute haben wir ein Profitabilitätsproblem erkannt, also ist Cost Saving die neue Devise. Sparprogramme werden in der ganzen Organisation gestartet. Dabei sparen wir uns an vielen Stellen fast zu Tode, auch im Bereich Kundenbetreuung. Daraufhin stellen wir nach kurzer Zeit fest, dass die Kundenzufriedenheit sinkt. Ein wichtiges Warnsignal. Also ist das neue Motto jetzt: „Der Kunde ist König“. Es wird in Consultative Selling und Kundenorientierung auf allen Ebenen investiert. Wenig später merkt die Führung, dass die Margen im Vertrieb deutlich gesunken sind. Das geht ja nun wirklich gar nicht. Schließlich wird hier das Geld für das ganze Unternehmen verdient. Also: Wir engagieren einen Trainer für Hard Selling, denn unsere Verkäufer sollen sich ja nicht vom Kunden über den Tisch ziehen lassen und verlegen die Betreuung auch der B-Kunden in das Call Center…

Wenn Ihnen derartige Ausschläge bekannt vorkommen, sind sie in bester Gesellschaft. Allerdings: Bei dieser Art der volatilen Führung drohen erhebliche Reibungsverluste, damit verbunden hohe Kosten und auf Dauer auch eine Verunsicherung, schließlich Demotivation und Frustration von Mitarbeitern wie Kunden.

Lagom führen

Lagom führen bedeutet daher vor allem, nicht der Versuchung zu erliegen, die eine Aufgabe, das eine Problem oder das eine Thema, das gerade oben auf der Tagesordnung steht, zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken, sondern mit Augenmaß eine Balance zwischen Kontinuität und Veränderung zu finden. Sicherlich muss es in einem Unternehmen je nach Marktsituation oder interner Themen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen geben. Wenn aber jedes Quartal „eine neue Sau durchs Dorf getrieben“ wird, werden diese an sich wichtigen Themen von den Führungskräften und Mitarbeitern nicht mehr ernst genommen und damit letztlich auch nicht umgesetzt. Vor allem gefährden Unternehmen damit ihren langfristigen Erfolg.

Somit heißt lagom führen: Die vorhandenen Führungsinstrumente nicht zu viel und nicht zu wenig einzusetzen, sondern möglichst gerade richtig, auf den Punkt – eben „lagom“. Darüber hinaus bekommen einige Führungstools eine insgesamt größere Bedeutung, weil sie zu einem wesentlichen Teil den schwedischen Führungsstil ausmachen. Ein Führungsstil, der schon seit langem eine Herangehensweise lebt, die in Deutschland gerade zunehmend – insbesondere von der Generation Y – gefordert und erwartet wird. Schweden ist damit seiner Zeit schon länger voraus gewesen.

Die Elemente des Lagom® Führungsmodells

Das von mir entwickelte Lagom Führungsmodell versucht, diese Grundprinzipien der Führung in eine anwendbare und nachvollziehbare Form zu bringen. Dabei geht es mir nicht darum, eine wirklich „neue“ Führungslehre zu schaffen, sondern Ziel ist es vielmehr, einige an sich bekannte Prinzipien leichter in die eigene Führungsarbeit integrieren zu können. Vor allem aber will ich niemanden zu einer neuen Art der Führung bekehren, sondern denjenigen, die die oben skizzierten Gedanken von sich aus richtig finden und nachvollziehen können, ein Gerüst liefern, das sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützt.

Das Lagom Führungsmodell hat zwei wesentliche Elemente.

  1. Die eigene Grundeinstellung zur Führung und insbesondere zu dem Thema Volatilität vs. Kontinuität für sich zu reflektieren.
  2. Das eigene Führungsverhalten zu hinterfragen und Instrumente zu erlernen, die es erleichtern, den Punkt von „gerade richtig“ zu identifizieren und entsprechend zu führen.

Dabei verweisen die Anfangsbuchstaben des Wortes lagom auf die wichtigsten Grundregeln für das Führungsverhalten in diesem Modell.

Lagom Führungsmodell

Mein Angebot für Sie

Das Lagom Führungsmodell kann im Führungskräfteseminar, Training, Workshop, Keynote-Vortrag oder Coaching praxisnah vermittelt werden. Die für Sie am besten geeignete Form hängt dabei von der Zielgruppe, der Zielsetzung für diese Zielgruppe und den Rahmenbedingungen ab. Sprechen Sie mich gerne an, um ein individuelles Angebot zu erhalten.