Der Lagom Coaching-Prozess

Der Lagom® Coaching-Prozess

Das schwedische Adjektiv lagom hat im Deutschen keine genaue Entsprechung. Es bedeutet so viel wie „gerade richtig“, „genau auf den Punkt“, „nicht zu viel und nicht zu wenig“ und kann auch mit „perfekt balanciert“ übersetzt werden. Diese Eigenschaft bildet auch die Grundlage für das Lagom Führungsmodell.

Das Lagom Coaching ist ein lösungsorientierter Prozess, der darauf abzielt, eine gut balancierte Lösung für die Aufgabenstellung oder das Problem zu finden. Das heißt, es geht darum, einerseits nicht über das Ziel hinauszuschießen und zu viel Energie in eine Lösung zu investieren oder gar größere „Kollateralschäden“ zu verursachen. Andererseits muss die Lösung aber auch wirklich der Aufgabenstellung gerecht werden, d. h. sie darf nicht zu „klein“ ausfallen.

Dabei hilft eine 7–stufige Vorgehensweise, die je nach Aufgabenstellung etwas modifiziert werden kann, im Kern aber immer gleich bleibt. Ein Zurückspringen auf einen der vorherigen Punkte ist in jeder Phase denkbar, wenn dies zu einer besseren Lösung führen kann.

Der Coaching-Prozess

Lagom Coaching-Modell

Die 7 Schritte im Lagom Coaching-Prozess

Schritt 1: Beschreibung des Ist-Zustands

Im ersten Schritt geht es zunächst darum, gemeinsam eine Beschreibung der Situation und der Rahmenbedingungen zu erstellen, die der Coachee ändern möchte oder aus der heraus eine Weiterentwicklung gewünscht wird. Dazu gehört auch das subjektive Empfinden des Coachees in der Ausgangslage. Dieser Schritt hat mehrere wichtige Funktionen:

  • Bestandsaufnahme als Basis für die Beschreibung der angestrebten Veränderung
  • Verständnis der Ausgangslage für den Coach
  • Mehr Klarheit für den Coachee über die Situation durch das Nachfragen des Coachs

Die allein bei der Beschreibung der Ausgangslage gewonnene Klarheit über die Situation kann im Einzelfall bereits dazu führen, das der Coachee für sich spontan eine intuitive Lösung findet und die weiteren Prozessschritte somit überflüssig werden. Dies kann auch bei jedem der folgenden Schritte geschehen.

Schritt 2: Beschreibung des Soll-Zustands

Im diesem Schritt wird zum einen der angestrebte Soll-Zustand nach der Veränderung oder nach Umsetzung der zu findenden Lösung beschrieben. Welches Ergebnis wird als Erfolg angesehen? Zum anderen werden auch die Ziele für das Coaching insgesamt sowie für die jeweilige Coaching-Session festgelegt. Auch dieser Schritt ist aus mehreren Gründen sehr wichtig:

  • „Ans Ziel kommt nur, wer eines hat“, wusste schon Martin Luther
  • Die Beschreibung der Differenz zwischen Ist- und Soll-Situation enthält oft schon wichtige Elemente für die Lösung, d. h. für den Weg dorthin
  • Gemeinsames Verständnis von Coachee und Coach über die angestrebten Ergebnisse des Lagom Coaching-Prozesses

Schritt 3: Sammlung von Lösungsideen

Dieser Schritt fokussiert auf das Finden möglicher Lösungsideen, Lösungsansätze oder Wege zum angestrebten Soll-Zustand. Dabei geht es zunächst einmal darum, in einer Art Brainstorming möglichst vielfältige Wege zu finden und nicht nur bei Standardlösungen zu verharren. Denn oft ist der nahe liegende nicht der beste Weg.

Schritt 4: Auswahl von Lösungen

Aus den im 3. Schritt gefundenen Lösungswegen werden in diesem Prozessschritt ein oder mehrere Lösungsansätze ausgewählt, die besonders vielversprechend erscheinen und für den Coachee besonders passend sind. Dazu werden die gefunden Lösungswege anhand von vorher gemeinsam festgelegten Kriterien wie z. B. Machbarkeit, Zeitaufwand, Wirkungsgrad, Passung zur Persönlichkeit etc. bewertet.

Schritt 5: Ausarbeitung der Lösung

Im diesem Schritt geht es darum, den ausgewählten Weg (oder auch zwei bis drei mögliche Wege) detaillierter auszuarbeiten: Was wird genau in welcher Form, wann, wo von wem getan? Welche Ressourcen sind erforderlich, wessen Unterstützung wird benötigt? Es entsteht ein konkreter Aktionsplan für den Coachee, der Maßnahmen und Timings enthält. Außerdem wird gemeinsam geprüft, ob diese Lösung nicht auch noch mit weniger Aufwand umgesetzt werden kann. Dies erhöht die Effizienz der geplanten Maßnahmen und stellt sicher, dass nicht „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ wird. Auch dies ist ein wichtiges Element des Lagom Coaching und der Grundidee von nicht zu viel und nicht zu wenig.

Schritt 6: Barrieren identifizieren

Dieser Schritt ist ebenfalls ein wesentliches Element des Lagom Coaching-Ansatzes. Das Identifizieren möglicher Hindernisse und Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen stellt sicher, dass eine an sich gut gedachte Lösung nicht später an vorhersehbaren Problemen scheitert. Dabei werden nicht nur mögliche Widerstände oder mangelnde Kooperation von Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten antizipiert, sondern ebenso mögliche innere Widerstände des Coachees thematisiert. Auch denkbare Schwierigkeiten, die aus den Rahmenbedingungen resultieren, werden hier betrachtet. Für die gefundenen und für wahrscheinlich gehaltenen Hindernisse werden anschließend wiederum Lösungen entwickelt.

Ein zweites wichtiges Element dieses Prozessschritts ist die Überprüfung der gefundenen Lösung auf mögliche „Nebenwirkungen“. Damit vermeidet das Lagom Coaching ein wesentliches Problem des sprunghaften Führungsverhaltens. Die volle Konzentration auf ein Fokusthema führt oft zu „Kollateralschäden“ auf anderen Gebieten. In diesem Schritt wird daher im Vorfeld untersucht, welche Auswirkungen die Umsetzung der gefundenen Lösung ggf. auf andere Themen hat und wie diese möglichst vermieden oder zumindest begrenzt werden können.

Sollte sich in dieser Phase herausstellen, das die gefundene Lösung doch nicht optimal ist, kann erneut mit Schritt 4 begonnen werden, um eine alternative Lösung auszuarbeiten.

Schritt 7: Fazit ziehen

Eigentlich könnte der Coaching-Prozess mit dem 6. Schritt bereits abgeschlossen sein. Der 7. Schritt, Zusammenfassen und Fazit ziehen hat jedoch noch mehrere wichtige Aufgaben:

  • Klären, ob Coachee und Coach ein gemeinsames Verständnis dessen haben haben, was der Coachingprozess für den Coachee gebracht hat
  • Besprechen, ob weitere Schritte aus Sicht des Coachees erforderlich und sinnvoll sind
  • Explizit prüfen, ob die gefundene Lösung aus Sicht des Coachees wirklich zum gewünschten Ergebnis führen wird und somit auch von innen heraus akzeptiert ist

Generell ist es möglich und manchmal auch sinnvoll im Rahmen des Lagom Coaching, aus jedem Prozessschritt in einen vorherigen Schritt zurück zu springen, um neue Erkenntnisse, die in einem späteren Schritt gewonnen werden, sinnvoll zu verarbeiten.

Wenn Sie an dieser Art des Lagom Coaching Interesse haben, sprechen Sie mich gerne für ein unverbindliches Angebot an.